Nr. 06 / 6.7.-11.7.2018 / Frankreich-1 / Dunkerque – Calais – Boulogne-sur-Mer – Dieppe

Nach der langen Pause in Oostende wollten wir einen längeren Törn machen und weiterkommen. Aber wohin? Südengland (ursprünglich geplant) oder doch Normandie (aufgrund der Empfehlung unserer netten Nachbarn in IJmuiden)? Normandie.

Sollte also nach Boulogne-sur-Mer, 65 Seemeilen, 10-12 Stunden. Wir hatten schwachen Wind von Achtern mit mehr Wellen vom davor stärkeren Wind. Wackel-Wackel. Und lahm, knapp 3 Knoten (Seemeilen pro Stunde). Also wieder mal motort. Das wollten wir nicht so lange machen und legten deshalb in Dunkerque/Dünkirchen an. Auch weil der Wind am nächsten Tag besser sein sollte.

Die Kommunikation mit der Hafenmeisterin auf dem Steg war etwas schwierig: Legen Sie hier an (längsseits zwischen zwei Booten). Erschien uns zu kurz. Doch, geht. Wie lang ist denn der Platz? Keine Ahnung. Dann nicht. Können wir da hinten um die Ecke, mit zwei Meter Tiefgang anlegen? Keine Ahnung. Klasse. Konnten uns aber doch noch verständigen und hatten einen Platz im Päckchen an einem leeren Boot.

Wir laufen ein wenig durch die Stadt, die etwas – nennen wir mal – rustikal ist. Kommt aber leider (mindestens) teilweise aus der Zerstörung unseres Kriegs. Also besser Klappe halten.

Im Zentrum ist Frankreich im WM-Fieber gegen Uruguay. Der ganze Platz war voll, viele Flaggen, Singen, Nationale mit Trompete, vorbeifahrende Busse hupen. Die Stimmung war sehr angenehm. Dazu muss man sagen, dass Eckhard mit Berufsfußball überhaupt gar nix am Hut hat. Da geht es nur um Kohle. Isa schaut schon gerne mal ein Spiel mit Freundin Ursel, ist aber nicht da, also kein Fußball. Die Kombination für unsere gemeinsame WM 2018, war dort ein leckeres Bier zu zischen.

Morgens um 8.00 hat Eckhard die vorbestellten Croissants bei der Hafenmeisterin abgeholt. Eckhard liebt sie. Endlich französische Croissants, dann einen leckeren Kaffee dazu und das Frühstück wäre perfekt, wenn Isa nicht aus versehen Buttermilch statt Milch gekauft hätte. So ist das mit der Fremdsprache. Dann geht es weiter nach Calais. Der Wind war immer noch zu schwach, um ordentlich zu segeln. Übrigens mal wieder genau wie fcoo von den Dänen angekündigt. Als Motorsegler unterwegs, ordentlich mit aufgezogenem schwarzen Kegel (Dreieck nach unten). Im Hafen angekommen, war das Sperrwerk der Marina wegen des Niedrigwassers noch gesperrt. Vor dem Hafen gibt es nur Muringbojen (festhalten statt am Anker).Wassertiefe aber immerhin genug für uns. Sind beim Öffnen der Schleuse dann doch lieber über Nacht an der Boje geblieben, da es am nächsten Morgen wieder losgehen soll. Wir haben unser Sonnensegel gesetzt und den Abend genossen.

Unterwegs sehen wir die unendlich lange Steilküste vom Süden des Hauts-de-France und dem Norden der Normandie. Wunderschön. Møn und Rügen ist dagegen ein Fitzelchen. Dazwischen schöne kleine Städtchen mit großen, traditionellen Häusern und hässliche Industriegebäude/Atomkraftwerke.

IMG_0149aIMG_0152aIMG_0172aIMG_0173aIMG_0179aIMG_0180aIMG_0181aIMG_0183a

Für Ostseesegler ist die Tide wirklich etwas ganz anderes. Hier haben wir etwa 6 Meter Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Bei einigen Häfen muss genau geachtet werden, in welcher Zeit der Zugang möglich ist. Wenn es keine Schleuse gibt, bleiben die Wassersperren nur eine Weile vor und nach Hochwasser offen.

Auf dem Törn nach Boulogne-sur-Mer konnten wir wieder Segeln. Hätten den Gennaker statt der Genua nutzen sollen, um zügiger voranzukommen, waren aber zu faul. Kamen dort gut an und machten zuerst einen schönen Fußweg zum Strand und über einen Höhenweg zurück zur Stadt (Isa zu weit und zu steil nach oben, gefühlte viele Stunden). Abends Muscheln gegessen und zurück zum Boot für einen gemütlichen Absacker.

Trichter
So hängt eine Blister in einem Trichter
cropped-fehmarn-bornholm-blister14.jpg
Unser Blister

Dann einen 53-Meilen-Törn nach Dieppe. Es ging gut und gemütlich unter Segeln los, aber mit dem Gennaker wären wir etwas schneller. Bei einem längeren Törn als etwa 6 Stunden hat man in Tidenbereichen zeitweise Strom gegenan, so dass die Segel schon ordentlich gestellt werden müssen. Na gut, wir haben ja Zeit, aber vorankommen macht schon Spaß. Bei raumschots bis achterlichem Wind ist Windstärke 3-4 (10-15 Knoten, 18-27 km) nicht viel. Deshalb wollten wir nach einem kleinen Unterwegs-Frühstück und einem Kniffi-Spiel die Vorsegeln wechseln. Genua wegrollen und Blister setzen. Isa, sagte schon im Vorwege zu Eckhard: Hoffentlich klappt es ohne Probleme. Schoten und Halsleine nach vorne, Blister im Sack aufs Vorschiff, Fall, Schoten und Halsleine anlegen und genau prüfen (sonst verwickelt sich immer was). Blister hochziehen, noch im Trichter, Trichter hochziehen – und fertig …??? Ähhh, der ist in der Mitte verdreht, darüber und darunter vom Wind geöffnet, sollte sich oben drehen … neeee. Also Trichter runterziehen, alle Leinen losmachen, von unten drehen, Leinen wieder anknoten. Trichter hochziehen – und fertig. Eigentlich. Eckhard wieder im Cockpit, und der Blister dreht sich um das Rollsegel, oben und unten. Wir haben alles Mögliche versucht, den Blister zurückzudrehen, von Hand, unter Maschine (Großsegel vorher runter) linksrum getanzt. Herunterziehen ging nicht, der Trichter sowie die Ziehleine hat sich oben rumgedreht. Vor dem Wind unter Maschine gefahren, um weniger Wind im Segel zu haben; so schnell konnten wir nicht. Letzte Option: Blister losschneiden, um den Wind zu verlieren. Dann konnten wir den Trichter zurückdrehen und herunterziehen. Ging auch nicht. Dann haben wir leider als letzte Option den Blister zerschnitten. Heul. Er war eine Spezialanfertigung mit unserem geliebten „HH“ als Deko so wie es in unserem Schiffsnamen KeHHrwieder vorkommt Wir mussten es tun. Sehr traurig, aber es ist ja nichts Schlimmes passiert. Wir hätten nirgendwo so reinfahren können, und zum Glück hatten wie unendlich Zeit und Raum auf dem Wasser um es in Griff zu bekommen. In einer engen Bucht hätten wir das nicht machen können.

Wir wollten den Blister im Frühjahr auf ein Rollreff umstellen lassen, weil wir beim Rauf- und Runterziehen oft ein Gewurschtel hatten. Bei Starkwind nicht mehr runterbekommen, Rolle oben verwickelt, um den Genuaroller verwickelt (aber noch hinbekommen) etc. Das ging aber nicht, weil unser Genuaroller ganz oben am Mast endet und es ist kein Platz für ein Blisterroller darüber. Unser Blister war beleidigt und hat uns gezeigt, dass es doch geht oder auch nicht.

Die Katastrophe:

Das Ende:

Am Ende sind wir fix und alle, besonders Eckhard. Aber uns geht es gut!

img_0148-1.jpg

Gut in Dieppe angekommen. Marina mitten in einer schönen traditionellen französischen Stadt. Wir bleiben drei Nächte, genießen unser erstes leckeres französisches Abendmenü, am nächsten Tag tolle Crêpes, Isa ist zum Friseur, Klamotten gewaschen in einem Waschsalon in der Stadt (neue Maschinen im Hafen gingen nicht), muss man auch mal erleben. Schon ein spezielles Publikum, mit einer Touri-Bahn gefahren und ein tolles Abendessen an Bord unserer netten Nachbarn aus Belgien (Anke und Alex) war dann noch der Highlight. Denn Anke spielt Gitarre, E-Piano und singt traumhaft. Was gibt es schöneres?

Nun geht es weiter in der Normandie….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s